HEIPI W28S 3-in-1 Travel Tripod Testbericht

Ist das HEIPI W28S 3-in-1 Reisestativ eine Kaufempfehlung?
In der Welt der analogen Fotografie ist Zeit ein Verbündeter. Wir nehmen uns Momente, um die Komposition zu überdenken, das Licht zu messen und jede einzelne Aufnahme auf dem kostbaren Filmstreifen zu planen.
In diesem bedächtigen Prozess ist ein Stativ nicht nur ein Zubehör, sondern ein fundamentaler Partner. Jahrelang war ich auf der Suche nach dem idealen Begleiter für meine Reisen – einem Stativ, das leicht genug ist, um es auf Wanderungen durch die Berge oder durch belebte Städte zu tragen, aber gleichzeitig die unerschütterliche Stabilität bietet, die meine Mittelformatkamera für Langzeitbelichtungen benötigt.
Viele Stative versprachen das eine und scheiterten am anderen. Sie waren entweder federleicht und zitterten bei der kleinsten Brise oder felsenfest, aber so schwer, dass sie oft im Hotelzimmer blieben.
Kürzlich stieß ich jedoch auf ein Design, das meine Aufmerksamkeit erregte: das HEIPI Reisestativ. Nach intensiver Nutzung kann ich sagen, dass es die Art und Weise, wie ich unterwegs fotografiere, nachhaltig verändert hat.
Schon beim ersten Kontakt spürt man, dass das HEIPI-Stativ anders ist. Es strahlt eine mechanische Sicherheit und eine durchdachte Ingenieurskunst aus, die in der heutigen schnelllebigen Welt selten geworden ist.
Das Material, eine speziell gewebte Kohlefaser, fühlt sich nicht nur hochwertig an, sondern vermittelt auch eine beruhigende Robustheit. Mit einem Gewicht von nur 1,35 kg ist es erstaunlich leicht für das, was es leistet.
Zusammengeklappt misst es kompakte 45 cm bei einem Durchmesser von nur 6,9 cm, wodurch es mühelos an meinen Fotorucksack passt, ohne mich aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ein interessantes Detail ist der Ursprung des Markennamens: „HEIPI“ leitet sich vom chinesischen Namen für den Schwarzstirnlöffler ab, einen Vogel, der auch das Logo ziert.
Als jemand, der oft in der Natur fotografiert, schätze ich diese Verbindung zur Tierwelt. Es zeigt, dass der Designer, selbst ein Naturfotograf und Ingenieur, eine tiefere Vision hatte, als nur ein weiteres Produkt auf den Markt zu bringen.
Das Herzstück und die wohl größte Innovation des HEIPI ist seine einzigartige Mittelsäule. Statt eines einzelnen, dicken Rohrs, wie es bei den meisten Stativen üblich ist, setzt HEIPI auf ein „3-Säulen-System“.
Drei schlanke, aber extrem stabile Kohlefaserstangen bilden zusammen die Mittelsäule. Anfänger mögen sich fragen, warum das von Bedeutung ist. Die Antwort liegt in der Physik: Diese Dreiecksanordnung verteilt das Gewicht und die Vibrationen weitaus effektiver als eine einzelne Säule.
Für mich als Analogfotograf ist das entscheidend. Wenn ich bei Sonnenuntergang eine Belichtung von mehreren Sekunden oder gar Minuten mache, kann die kleinste Erschütterung – sei es durch Wind oder einen unachtsamen Schritt – eine Aufnahme ruinieren.
Ich habe das HEIPI neben meinen älteren Stativen getestet, und der Unterschied ist frappierend. Ein leichtes Antippen der Kamera führt zu Vibrationen, die beim HEIPI fast augenblicklich abklingen, während andere Modelle noch lange nachzittern. Dieser Vorteil ermöglicht nicht nur schärfere Bilder, sondern gibt mir auch eine innere Ruhe und das Vertrauen, dass meine Ausrüstung mich nicht im Stich lässt. Zudem ermöglicht dieses Design, dass die Beine enger zusammengeklappt werden können, was zu den beeindruckend kompakten Transportmaßen beiträgt.
Doch die Genialität der Mittelsäule endet hier nicht. Sie verbirgt ein Geheimnis, das man fast als magischen Trick bezeichnen könnte: Sie ist komplett abnehmbar und verwandelt sich in ein eigenständiges Ministativ.
Mit einem einfachen Handgriff löst man die Säule von der Basis, klappt die drei Stangen nach außen, und schon hat man ein vollwertiges, wenn auch kleines, Stativ. Diese Funktion allein ist Gold wert.
Ich erinnere mich an unzählige Situationen, in denen ich für eine bodennahe Makroaufnahme von Wildblumen oder eine kreative Perspektive auf einem Felsvorsprung mein großes Stativ mühsam flachlegen musste.
Mit dem HEIPI-Substativ ist das kein Problem mehr. Es lässt sich auf eine minimale Höhe von 14,5 cm einstellen und ermöglicht so Aufnahmen aus Perspektiven, die zuvor nur mit viel Mühe oder einem zweiten, kleinen Stativ im Gepäck möglich waren. Diese 3-in-1-Funktionalität – Hauptstativ, Substativ und Kugelkopf – bedeutet, dass ich für nahezu jede erdenkliche Situation gerüstet bin, ohne zusätzliche Ausrüstung mit mir herumtragen zu müssen.
Auch im praktischen Einsatz überzeugt das HEIPI auf ganzer Linie. Die Beine werden mit Flip-Locks arretiert, die sich schnell und sicher bedienen lassen. Mit etwas Übung kann man sogar alle Verschlüsse eines Beins mit einer einzigen Handbewegung öffnen, was den Aufbau erheblich beschleunigt.
Der Kugelkopf ist ein weiteres Highlight. Er ist erstaunlich groß und robust für ein Reisestativ und kann laut Hersteller eine Last von bis zu 25 kg tragen. Das ist weit mehr, als ich jemals benötigen werde, aber es gibt mir die Gewissheit, dass selbst meine schwere Pentax 67 mit einem Teleobjektiv sicher gehalten wird, ohne nachzugeben oder abzusacken – ein häufiges Problem bei leichteren Stativen, insbesondere bei Hochformataufnahmen.
Der Kopf verfügt über eine separate Panorama-Funktion, was bedeutet, dass ich die Kamera horizontal schwenken kann, ohne die Ausrichtung des Kugelkopfes zu verändern. Das ist ideal für das Erstellen von Panoramabildern aus mehreren Einzelaufnahmen. Ein besonders cleveres Detail ist die wählbare Klick-Funktion der Panoramabasis, die alle 10 Grad einrastet und so präzise Schwenks erleichtert.
Natürlich gibt es auch Funktionen, die für mich als Analogfotograf zunächst weniger relevant erscheinen. Im Kugelkopf ist beispielsweise eine Halterung für ein Smartphone integriert.
Meine erste Reaktion war ein leichtes Schmunzeln – ich fotografiere schließlich auf Film. Doch bei genauerem Hinsehen erweist sich auch dieses Detail als durchdacht. Ich nutze mein Smartphone oft, um mit speziellen Apps den Sonnenstand zu prüfen, den Bildausschnitt zu planen oder einfach nur, um eine schnelle „Behind-the-Scenes“-Aufnahme meines Setups zu machen. Die integrierte Halterung erspart mir das Mitführen eines zusätzlichen Zubehörs.
Ebenso praktisch sind die versteckten Spikes an den Füßen. Unter den Gummifüßen verbergen sich Metallspitzen, die auf weichem Untergrund wie Sand, Erde oder Gras einen deutlich besseren Halt bieten. Sie sind da, wenn man sie braucht, und stören nicht, wenn man sie nicht benötigt.
Ein ehrlicher Testbericht muss auch die kleinen Eigenheiten erwähnen. Kein Design ist absolut perfekt. Die Verstellung des Beinwinkels in die drei verschiedenen Spreizpositionen kann mit einer Hand etwas fummelig sein, da man um die Mittelsäule herumgreifen muss. Das ist jedoch keine große Sache und eher eine Frage der Gewöhnung. Auch das Ausfahren der Mittelsäule selbst kann anfangs etwas schwergängig wirken, was aber vermutlich ein Kompromiss für die hohe Stabilität ist. Es ist kein Defekt, sondern ein Merkmal des Designs, das auf maximale Festigkeit ausgelegt ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das HEIPI-Stativ für mich die Suche nach dem perfekten Reisestativ beendet hat. Es ist der ideale Kompromiss aus Portabilität und unerschütterlicher Stabilität.
Die innovative 3-Säulen-Mittelsäule, die sich in ein eigenständiges Ministativ verwandeln lässt, bietet eine Flexibilität, die ich bisher nicht kannte. Die hochwertige Verarbeitung und die durchdachten Details wie der robuste Kugelkopf, die versteckten Spikes und sogar die integrierte Smartphone-Halterung zeigen, dass hier ein Fotograf für Fotografen entwickelt hat.
Es ist ein Werkzeug, das nicht nur funktioniert, sondern Vertrauen schafft. Für jeden Fotografen, ob analog oder digital, der viel reist und keine Kompromisse bei der Stabilität eingehen will, ist das HEIPI eine klare Empfehlung. Es ist mehr als nur ein Stativ – es ist ein verlässlicher Partner, der bereit ist, jedes fotografische Abenteuer mitzumachen.

